Krutynia 5 Tage Kanutour in Masuren

Inhalt

Masuren

Die Masuren sind eine Landschaft im Nordosten von Polen und gehören zur Region Ermland-Masuren. Die Masuren liegen an der Masurischen Seenplatte. Über 3000 Seen, Flüsse und große Wälder prägen hier die Landschaft. Die Hauptstadt der Masuren ist Olsztyn (Allenstein)

Das Klima hier ist typisch für Osteuropa: Hier gibt es sehr kalte Winter und auch sehr warme bzw. heiße Sommer. Die beste Reisezeit liegt hier zwischen Juni und August.

Mehr Informationen zu den Masuren findet ihr z.B. auf den Seiten von Mazury Travel.

Die Krutynia

Die Krutynia gilt als die schönste Paddelroute Polens und führt über ca. 100 km von Sorkwity bis Ruciane Nida durch 16 Seen und vielen unterschiedlichen Flussabschnitten.

Die Route verläuft durch die Johannisburger Heide und das Masurische Landschaftsschutzgebiet. Gerade die Abwechslung zwischen See und Fluss bietet eine tolle Vielfalt an Tieren und Pflanzen.

Auch für Anfänger ist diese Route perfekt geeignet, da selbst die schneller strömenden Abschnitte der Krutynia keine großen Herausforderungen bereithält. Stromschnellen gibt es hier keine, nur gelegentlich muss man das Boot treideln oder auch mal umtragen.

Startpunkt der Kanutour ist der Ort Sorkwity am Lampackie See.

Nützliche Informationen

Trinkwasser

Aus den Seen sollte man keinesfalls trinken. Diese sind meist eutrophiert und es sieht gerade im Sommer auch nicht wirklich klar und lecker aus. Auch das Wasser an den Campingplätzen bzw. Leitungswasser ist nicht bedenkenlos trinkbar. Hier gelten nunmal andere Vorschriften als in Deutschland.

Wer empfindlich oder ängstlich ist, sollte sich das Trinkwasser in Flaschen kaufen. Dies ist in nahezu jedem kleinen Laden erhältlich. Wir haben aber nur das Wasser von den Campingplätzen genutzt, da wir keinen empfindlichen Magen haben und sind damit prima klargekommen.

Essen

Lebensmittel bekommt man natürlich in jedem Laden, allerdings ist die Auswahl meist nicht besonders groß. Nudeln gibt es vielleicht nur als Spaghetti und nicht auch noch als Fusili etc.

Die Preise lagen 2018 ca. 30 Prozent unter den deutschen. Man sollte sich also nicht unbedingt etwas von daheim mitbringen.

Unterwegs bieten sich viele kleine Gaststätten, Caffees oder Bistros an um die Landestypischen Gerichte zu probieren (sehr lecker). Die KOsten halten sich dabei absolut in Grenzen. Ein einfaches Essen mit Getränke für 2 Personen kostete uns zwischen 8 und 12 Euro.

Übernachten

Die wohlverdiente Nachtruhe nach einem Tag paddeln bekommt man hier entweder auf den Campingplätzen des PTTK (PTTK = Polnischer Verein für Tourismus und Landeskunde) oder auch auf vielen privaten Rastplätzen.

Die Campingplätze bieten normalen Standard mit Duschen und Toiletten, wohingegen die privaten Biwakplätze diesen Komfort nicht bieten, aber dafür größtenteils naturnah und einsam gelegen sind.

Preislich unterscheiden sich diese kaum, da sich auch die privaten Betreiber an den PTTK Preisen orientieren und liegen bei ca. 4 EURO pro Person und Nacht. An den privaten Biwakplätzen kommt der Besitzer meist abends vorbei, um zu kassieren.

Gelegentlich werden Touristen aber auch unterwegs private Unterkünfte angeboten. Hier haben wir aber keine Erfahrung.

Geld

Vor Antritt der Kanutour solltet ihr euch auf jeden Fall Bargeld (Zloty) besorgen. Dies könnt ihr z.B. bei der Anfahrt in der Stadt Olsztyn (Allenstein) erledigen. Gerade die kleinen Kioske oder Läden und die privaten Biwakplätze bieten keine Möglichkeit der Kartenzahlung.

Sprache

Englisch hilft hier meist nicht weiter. Mit Glück sprechen wenige deutsch. Ansonsten hilft immer ein freundliches Lächeln und Hände und Füße 🙂

Die wichtigsten Vokabeln sollte man vorher auf jeden Fall kennen und etwas üben.
Guten Tag – Dzień dobry (dschjen dobry)
Danke – dziękuję (dschenkuje)
Bitte – proszę (prosche)
Ja – tak (tak)
Nein – nie (nje)

Der Routenverlauf

Tag 1

Wie bereits erwähnt befindet sich unser Startpunkt unserer Krutynia Tour bei Sorkwity am dortigen PTTK Campingplatz. Hier konnten wir auch unseren PKW gegen eine geringe Gebühr parken, und verbrachten die erste Nacht. Hier wird zu unserer Überraschung auch Deutsch und Englisch gesprochen. Der Platz bietet neben Kanu verleih, Duschen und Toiletten auch ein Restaurant mit leckerem Essen.

Die Seen oberhalb Sorkwity sind nur bei sehr gutem Wasserstand erreichbar.

Zunächst durchqueren wir hier den Jezioro (See) Lampackie. Nach ca. 2 km am linken Ufer folgt dann die Ausfahrt in den Jezioro Lampasz, der komplett durchfahren wird.

Immer dem schmalen See folgend, entdecken wir nach nun gesamten 6,5 km auf der westlichen Seeseite einen Lost Place, den wir uns natürlich anschauen mussten. Hier befand sich mal ein Erholungszentrum.

 

Am Ende des Sees angekommen, erreichen wir eine kleine Durchfahrt zum nächsten See. Dieser Abschnitt der Krutynia ist so flach, dass wir hier unser Kanu treideln mussten. Etwas Bewegung tut den Beinen auch gut.

 

 

Nach der Durchfahrt gelangen wir in den kleinen Kujno See, der recht schnell durchfahren ist, um danach wieder in einen schmalen Flusslauf abzubiegen, den wir allerdings diesmal paddeln können. An diesem schmalen Stück befindet sich auch eine kleine Bar an der es leckere Piroggen in großer Auswahl gibt. Ein Pflichtbesuch für Kanufahrer.

 

 

Danach gelangen wir in den Dluzec See, den wir in südlicher Richtung passieren, und schließlich durch einen weiteren schmalen Durchfluss in den Biale See gelangen. Auf einer Insel finden wir dann schließlich einen schönen Rastplatz und lassen den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen.

Tag 2

Am zweiten Tag durchqueren wir den restlichen Biale See, bevor es dann wieder in einen fließenden Abschnitt der Krutynia geht. Dieser führt in den Ganther See.

Auch am Ende dieses Sees folgt wieder ein Stück der Krutynia von ca. 8 km Länge. Hier ist es wunderbar ruhig und nur wenige Kanufahrer begegnen uns. Auf diesem Stück erreicht man auch das Dorf Babieta. Im Ort befindet sich eine alte Mühle und ein Wehr, das umtragen werden muss.

Im alten Mühlengebäude gibt es eine Gaststätte mit leckerem Essen, und so verbringen wir hier unsere Mittagspause. Nach der Pause geht es weiter. Die ersten Meter nach der Mühle sind recht flach, etwas vorsichtig fahren.

Letzter Abschnitt für heute soll der Große Sysdroysee sein. Mitten im See liegt wieder eine Insel. Diese Insel wird Liebesinsel genannt und hier gibt es einen Lagerplatz, den wir für unser Nachtlager auserkoren haben.

Tag 3

Tatsächlich schaffen wir es heute noch vor 10 Uhr aufs Wasser und nach nicht mal 20 Minuten paddeln auf dem Großen Sysdroysee gelangen wir dann an einer Verengung in den kleinen Sysdroysee, der wirklich recht kurz ist.

Am Ende des Sees folgt dann an einer alten Schleuse eine ca. 20 m kurze Umtragestelle. Angeblich sollen hier in der Saison Jugendliche stehen, die die Umtragung übernehmen. Wir sind hier jedoch alleine. Hier gäbe es auch noch eine gute Möglichkeit zum Lagern. Wir wollen aber natürlich weiter und folgen nun dem ca. 3 km langen Puppener Fließ durch ein sumpfiges Gebiet.

Am Ende gelangen wir in einen kleinen, sehr flachen See, dem Puppener See. Am nördlichen Ufer ist es extrem flach und wir berühren einige male den sumpfigen Grund. Treideln ist bei dem Schlamm hier leider nicht möglich, also vorsichtig fahren.

Danach geht es wieder in das Puppener Fließ bis wir eine Straßenbrücke des Ortes Puppen erreichen. Direkt hinter der Brücke gibt es auf der rechten Seite eine Ausstiegsmöglichkeit und eine kleine nette Gaststätte. Hier gibt es die Möglichkeit zum Zelten sowie Toiletten und Duschen. Wir gönnen uns hier aber nur ein gutes Mittagessen mit leckerem Bier und machen uns danach wieder auf den Weg

Nach ca. 4 weiteren Kilometern auf diesem Abschnitt der Krutynia fahren wir kurz in den Drusener See ein und verlassen diesen auch gleich wieder und fahren weiter in den Upllicksee.

Danach folgt dann der Muckersee mit dem Ort Zgonn, das wir aber rechts liegen lassen.

Da der gesamte See Naturschutzgebiet ist, darf man hier nur auf ausgewiesenen Plätzen übernachten. Da uns die Campingplätze direkt am Ort aber zu groß sind, suchen wir uns einen kleinen Platz am Ostufer der recht schön gelegen ist, aber keinerlei Annehmlichkeiten wie Toilette bietet.

Auch hier lassen wir den Abend ganz gemütlich ausklingen und genießen die Ruhe, denn am nächsten Tag sollte es aufregend werden.

Tag 4

Tag 4 beginnt wieder mit Sonne und wir sind recht früh auf dem Wasser. Die Ausfahrt aus dem Muckersee befindet sich auf der rechten Seite, wo auch wieder ein Wehr umtragen werden muss.

Danach folgt ein kurzer, leicht fließender Abschnitt, der uns in den Kruttiner See führt. Und ab hier bekommt die Krutynia nun ein ganz anderes Erscheinungsbild. Auch wenn es vorher nicht wirklich einsam war, so sind wir doch erschrocken, welche Menschenmengen und Boote uns auf dem folgenden Abschnitt der Krutynia entgegenkommen.

Es ist Juli, das Wetter ist top und hier sind extrem viele Boote unterwegs. Dabei auch große Boote für jeweils ca. 6-10 Touristen, die hier von den Einheimischen gestakt werden.

Hinter dem See wird der Fluss sehr flach und bekommt dadurch eine angenehme Strömung. Wir müssen uns hier fast schon richtig konzentrieren, um den ungeübten Freizeit-Paddlern auszuweichen.
Eigentlich wollten wir in Krutyn eine Pause einlegen, aber der Bootsanleger war dermaßen überlaufen, dass wir uns doch zur Weiterfahrt entschließen. Auch schreckten uns die Reisebusse ab, die wir erkennen konnten.

Nach Krutyn wurden die Boote natürlich nicht weniger, und so trieben wir inmitten der ganzen anderen Touristen langsam den Fluss hinab.

Knapp 2 km nach Krutyn folgt dann ein weiteres Mühlenwehr, das umtragen werden muss. Hier werden wir von bestimmt 15-20 einheimischen erwartet, die jedem anbieten beim Umtragen des Bootes zu helfen. Einige hatten selbst gebastelte Bootswagen dabei, und so ließen wir uns erweichen und stimmten dem Angebot zu.
Für ca. 5 Euro wurde dann unser vollbeladenes Faltboot mitsamt Gepäck dann von 4 starken Männern ca. 150 Meter zur Einsetzstelle umtragen.

Danach ist die Krutynia auf ca. 500 Metern extrem flach, aber treideln müssen wir diesmal nicht. Auch hier begleiten uns viele andere Boote. Kurz hinter dem Ort Woinowo gehen wir kurz an Land, um in einem kleinen Laden einige Lebensmittel zu besorgen. Die Auswahl ist nicht besonders groß, aber extrem günstig.

Danach folgt dann der Ort Ukta, in dem die meisten der Leihboote ihre Tagestour beenden, und so wird es danach deutlich ruhiger auf dem Wasser.

Zuerst fahren wir noch ein Stück weiter, paddeln dann aber tatsächlich wieder etwas zurück bis kurz vor Ukta, an einer alten verfallenen Brücke, an der wir einen wirklich guten Campingplatz fanden. Die Toiletten und Duschen waren hier top modern und sehr sauber, und wir gönnten uns etwas Wellness, bevor wir zu Abend aßen und uns in unser Zelt verkrümelten, da es langsam anfing zu regnen.

Tag 5

Wie so häufig bei mir stellt sich am letzten Tag ein seltsames Gefühlsmischmasch ein. Einerseits traurig und deprimiert, dass es bald vorbei ist und andererseits die Freude aufs „Heimkommen“ und zu Hause zu sein.

Hin- und hergerissen packen meine Schwester und ich unsere Ausrüstung daher nun zum letzten Mal ins Boot und gehen zum letzten Mal auf die Krutynia.

Ab Ukta wirkt der Fluss jetzt recht einsam, da hier die Endstation für die Tagestouristen ist und so paddeln wir meist einsam dem Flusslauf folgend unserem Ziel entgegen. Das Wasser ist recht klar, und wir können auch viele Fische erkennen. Begleitet werden wir meist von den hier zahlreichen Enten, die auf Futter hoffen.

Nach ca. 8 km erreichen wir die Straßenbrücke bei Nowy Most. Hier befindet sich ein weiterer PTTK Campingplatz, den wir für eine kurze Pause anlaufen.

Nach weiteren 4 km mündet die Krutynia dann in den Jezioro Gardynskie. Auch dieser See ist extrem flach und die Ausfahrt nach 400 m auf der rechten Seite überwiegend nicht direkt Anfahrbar und so paddeln wir in einem Bogen der Ausfahrt entgegen.

Nach nochmals 4 km erreichen wir das Dorf Iznote. Dieses befindet sich direkt vor der Mündung in den sehr großen Jezioro Beldany (Beldahnsee). Unser Ziel ist der Campingplatz Kamien, an dem wir unsere Tour beenden werden.

Hier suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen, melden uns bei unserem Startpunkt in Sorkwity zur Abholung und bauen unser Ally Faltboot ab.

Nach einiger Zeit werden wir dann wie vorab besprochen vom Betreiber des Campingplatzes Sorkwity wieder zum Startpunkt gefahren.

Hiermit endet also die Kanutour auf der Krutynia.

Fazit

Die Krutynia ist wirklich ein sehr schöner und abwechslungsreicher Fluss. Auch, wenn das Wasser vor allem in den Seen nicht besonders sauber erscheint, so wirkt es im fließenden Teil der Krutynia doch sehr sauber und klar.

Die Landschaft ist ebenfalls recht abwechslungsreich. Mal geht es durch Schilf bewachsene Ufer, dann an Feldern vorbei und dann wieder durch Wald. Hier gibt es sicher auch sehr viel an verschiedenen Pflanzen zu entdecken.

Die Rastplätze sind leider recht ungepflegt und es liegt auch häufig Müll oder Unrat herum. Schade.

Vor allem in der Hauptsaison im Sommer sind der Fluss und die Seen sehr stark frequentiert und man wird hier kaum einen einsamen Platz finden. Ungünstigerweise ist auch das Wild campen eigentlich nicht gestattet. Campingplätze sind meist sehr voll, daher empfehlen wir die privaten Biwakplätze, die aber keine Duschen oder Toiletten haben. Und nach Möglichkeit eine Tour im Frühsommer.

Wer, so wie wir, kein Leihboot nimmt, sondern ein eigenes Boot dabei hat, kann dennoch mit den meisten Campingplatzbetreibern eine Abholung, natürlich gegen Kostenerstattung, absprechen. Vielen Dank daher nochmals an den Betreiber des Platzes in Sorkwity.

 

Wer eine noch genauere Beschreibung der Kanutour mit Kilometrierung möchte, kann gerne auf die Seite von AS-Tour vorbeischauen, dort ist alles genau aufgeführt.
Kilometrierung: Hier

Youtube Video

Auf dieser Playlist findet ihr für jeden Tag der Tour ein kurzes Video.

Komoot

Gerne könnt ihr euch unsere Route auch auf Komoot ansehen und die GPS Daten zum Nachpaddeln herunterladen.

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